Husten, Räuspern, das Geräusch des Absauggeräts — für Angehörige von beatmeten Menschen gehören diese Klänge zum Alltag. Aber warum produzieren beatmete Patienten so viel Schleim? Und was kann man tun, damit der Schleim nicht zur Gefahr wird?
Dieser Beitrag erklärt, was hinter dem Begriff Sekretmanagement steckt, warum es so wichtig ist — und welche Rolle Angehörige dabei spielen können.
Warum produzieren Atemwege Schleim?
Die Atemwege sind von einer Schleimhaut überzogen, die täglich kleine Mengen Schleim (Mukus) produziert — beim gesunden Menschen etwa 10 bis 20 ml pro Tag. Dieser Schleim hat eine wichtige Schutzfunktion: Er fängt eingeatmete Staubpartikel, Bakterien und Viren ein und transportiert sie mithilfe winziger Flimmerhärchen (Zilien) in Richtung Rachen, wo sie geschluckt oder abgehustet werden.
Dieses System nennt sich mukoziliäre Clearance — die natürliche Selbstreinigung der Atemwege. Bei gesunden Menschen läuft sie vollständig automatisch ab, ohne dass man es merkt.
Warum ist das bei beatmeten Patienten anders?
Bei Menschen mit Tracheostoma oder Beatmungsmaske ist die natürliche Selbstreinigung der Atemwege gestört oder eingeschränkt — aus mehreren Gründen:
- Die Nase ist umgangen: Normalerweise filtert, befeuchtet und erwärmt die Nase die eingeatmete Luft. Bei Tracheostomapatienten gelangt die Luft direkt in die Luftröhre — ohne diese Vorkonditionierung. Das macht den Schleim zäher und schwerer transportierbar.
- Eingeschränkte Hustenkapazität: Viele beatmete Patienten können nicht kräftig genug husten, um den Schleim selbst abzuhusten — wegen Muskelschwäche, Lähmung oder der Trachealkanüle selbst.
- Erhöhte Schleimproduktion: Infekte, Reizungen der Schleimhaut durch die Kanüle oder trockene Atemluft führen zu mehr Schleimproduktion.
- Stau im Bronchialsystem: Wenn der Schleim nicht abtransportiert wird, sammelt er sich in den Bronchien und kann die Atemwege verlegen.
Was passiert, wenn Sekret nicht abgeleitet wird?
Angesammelter Schleim in den Atemwegen ist nicht nur unangenehm — er kann gefährlich werden:
- Atelektasen: Lungenbereiche, die durch Schleim verlegt sind, können kollabieren und werden nicht mehr belüftet
- Pneumonie: Bakterien vermehren sich im stagnierenden Schleim und können eine Lungenentzündung auslösen
- Erhöhter Atemwegswiderstand: Das Beatmungsgerät muss mehr Druck aufbringen, was die Lunge belastet
- Sauerstoffabfall: Nicht belüftete Lungenbereiche führen zu weniger Sauerstoff im Blut
Die wichtigsten Maßnahmen des Sekretmanagements
Endotracheales Absaugen
Das Absaugen ist die häufigste und direkteste Methode: Ein steriler Absaugkatheter wird durch die Trachealkanüle in die Luftröhre eingeführt und saugt den Schleim ab. Es ist eine Pflegemaßnahme, die das Pflegepersonal durchführt — aber Angehörige sollten wissen, wann sie nötig ist:
- Hörbare Atemgeräusche (Rasseln, Brodeln)
- Sichtbares Sekret in der Kanüle
- Abfall der Sauerstoffsättigung
- Husten oder Unruhe des Patienten
Inhalation
Durch Inhalation von Kochsalzlösung oder schleimlösenden Medikamenten wird der Schleim verflüssigt und leichter transportierbar. Die Inhalation erfolgt über einen Vernebler, der direkt am Beatmungssystem angeschlossen werden kann.
Atemgasbefeuchtung
Trockene Atemluft macht den Schleim zäh und klebrig. Deshalb ist eine ausreichende Befeuchtung der Beatmungsluft entscheidend — entweder passiv über einen HME-Filter (Heat and Moisture Exchanger) oder aktiv über ein elektrisches Befeuchtungssystem.
Lagerung und Mobilisation
Regelmäßige Umlagerung des Patienten hilft, den Schleim in der Lunge zu mobilisieren und abzutransportieren. Schon eine einfache Oberkörperhochlagerung von 30 bis 45 Grad kann die Sekretdrainage deutlich verbessern.
Cough Assist — maschinelle Hustenhilfe
Für Patienten mit sehr schwacher Atemmuskulatur gibt es spezielle Geräte, die einen künstlichen Hustenstoß erzeugen: Sie blasen zunächst Luft in die Lunge und saugen sie dann schlagartig ab — ähnlich wie ein natürlicher Husten. Das Gerät heißt Cough Assist oder In-Exsufflator und kann lebensrettend sein.
Was Angehörige tun können
Angehörige müssen das Absaugen in der Regel nicht selbst durchführen — aber sie können wichtige Beobachter und Unterstützer sein:
- Auf veränderte Atemgeräusche achten und das Pflegeteam informieren
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten — Flüssigkeit macht den Schleim dünnflüssiger
- Regelmäßige Umlagerung unterstützen oder anstoßen
- Darauf achten, dass der Luftbefeuchter am Beatmungsgerät ausreichend Wasser hat
- Veränderungen des Sekrets (Farbe, Menge, Geruch) dokumentieren und weitermelden
Aufmerksam sein schützt
Sekretmanagement ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein täglicher Bestandteil der Beatmungspflege. Wer versteht, warum Schleim ein Thema ist und was dagegen getan wird, kann aktiv zur Sicherheit und zum Wohlbefinden des beatmeten Angehörigen beitragen.
Ein gut durchgeführtes Sekretmanagement ist einer der wichtigsten Faktoren, um Komplikationen wie Lungenentzündungen zu verhindern — und damit die Zeit zu Hause so lang und so gut wie möglich zu gestalten.
Haben Sie Fragen zum Sekretmanagement oder zur Pflege beatmeter Menschen? Wir sind für Sie da.