Mangelernährung ist eines der häufigsten und gleichzeitig am häufigsten übersehenen Probleme bei pflegebedürftigen Menschen. Sie entwickelt sich oft schleichend — und wird bemerkt, wenn sie bereits fortgeschritten ist. Für beatmete Patienten ist eine ausreichende Ernährung jedoch besonders wichtig: Sie beeinflusst die Atemmuskelkraft, die Immunabwehr und die allgemeine Stabilität.
Dieser Beitrag zeigt, woran Angehörige Mangelernährung erkennen können — und was zu tun ist.
Was ist Mangelernährung?
Mangelernährung bedeutet nicht zwingend Hunger. Es geht um ein Ungleichgewicht zwischen dem, was der Körper braucht, und dem, was er tatsächlich bekommt — an Kalorien, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen.
Besonders gefährdet sind:
- Menschen mit Schluckstörungen (Dysphagie)
- Beatmungspatienten mit erhöhtem Energiebedarf durch Atemarbeit
- Patienten mit chronischen Erkrankungen wie COPD, ALS oder Muskelerkrankungen
- Menschen, die wenig Appetit haben oder sich nicht äußern können
- Ältere pflegebedürftige Personen allgemein
Körperliche Zeichen von Mangelernährung
Angehörige sehen ihren Angehörigen täglich — das ist ein großer Vorteil. Folgende körperliche Veränderungen können auf Mangelernährung hinweisen:
Gewichtsverlust
Das auffälligste Zeichen. Regelmäßiges Wiegen ist wichtig — ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als 5 % des Körpergewichts in einem Monat oder mehr als 10 % in sechs Monaten ist ein Warnsignal und sollte dem Arzt gemeldet werden.
Veränderungen am Körper
- Sichtbarer Muskelschwund, besonders an Armen, Beinen und Schultern
- Eingesunkene Wangen, sichtbare Knochen (Schlüsselbein, Rippen)
- Trockene, schuppige oder blasse Haut
- Brüchige Nägel und stumpfes, schütteres Haar
- Schlecht heilende Wunden oder Druckstellen
- Ödeme (Wassereinlagerungen), besonders an den Beinen — paradoxerweise auch ein Zeichen für Eiweißmangel
Allgemeinzustand
- Anhaltende Müdigkeit und Schwäche, die über den normalen Zustand hinausgehen
- Zunehmende Kraftlosigkeit — der Patient kann weniger als zuvor
- Häufigere Infekte oder Infekte, die schlechter ausheilen
- Verschlechterung der Atemmuskelkraft — das Beatmungsgerät muss mehr übernehmen
Verhaltenszeichen und Essverhalten beobachten
Nicht nur der Körper, auch das Verhalten gibt Hinweise:
- Der Patient isst deutlich weniger als früher oder lässt Mahlzeiten aus
- Er wirkt desinteressiert am Essen oder lehnt es ab
- Kau- oder Schluckprobleme werden häufiger — Husten, Würgen, langes Kauen
- Getränke werden gemieden (Schluckangst)
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Rückzug können auch auf Nährstoffmangel hindeuten
Einfache Messmethoden für zu Hause
Regelmäßiges Wiegen
Immer zur gleichen Tageszeit, möglichst ohne Kleidung oder mit immer gleicher Kleidung. Ergebnisse notieren und dem Pflegeteam zeigen. Eine Waage, die auch für Rollstuhlfahrer oder bettlägerige Patienten geeignet ist, kann vom Sanitätshaus geliehen werden.
Wadenumfang messen
Der Wadenumfang gilt als einfacher Hinweis auf die Muskelmasse. Gemessen wird an der dicksten Stelle der Wade mit einem Maßband. Ein Wadenumfang unter 31 cm gilt als Hinweis auf Muskelschwund.
Ernährungsprotokoll
Für einige Tage aufschreiben, was und wie viel der Angehörige tatsächlich isst und trinkt. Das gibt dem Arzt oder Ernährungsberater eine gute Grundlage zur Beurteilung.
Was tun, wenn Mangelernährung vermutet wird?
- Den behandelnden Arzt oder das Pflegeteam informieren
- Eine Blutuntersuchung kann Nährstoffmängel aufdecken
- Eine Ernährungsberatung anfordern — Krankenkassen übernehmen das oft
- Trinknahrung (hochkalorische Zusatznahrung) kann kurzfristig helfen
- Bei Schluckproblemen: Logopädie und angepasste Kostform (z. B. pürierte Kost, angedickte Flüssigkeiten)
Gut ernährt — gut versorgt
Ernährung ist die Grundlage für alles andere: für Heilung, für Kraft, für Lebensqualität. Angehörige, die aufmerksam beobachten und früh reagieren, können Mangelernährung verhindern — bevor sie zur ernsthaften Gefahr wird. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl: Wenn sich etwas verändert, lohnt es sich immer, genauer hinzuschauen.
Haben Sie Bedenken zur Ernährungssituation Ihres Angehörigen? Sprechen Sie mit dem Pflegeteam — wir helfen weiter.