Ein Tracheostoma klingt zunächst beängstigend. Eine Öffnung im Hals, ein Röhrchen in der Luftröhre — das ist für viele Angehörige schwer vorstellbar. Und doch ist das Tracheostoma für viele beatmete Menschen der Schlüssel zu einem Leben zu Hause, mit mehr Sicherheit und oft sogar mehr Lebensqualität als ohne.
In diesem Beitrag erklären wir, was ein Tracheostoma ist, wie die Pflege im Alltag aussieht und was Angehörige wissen müssen, um sicher und selbstbewusst damit umzugehen.
Was ist ein Tracheostoma?
Ein Tracheostoma ist eine chirurgisch angelegte Öffnung in der vorderen Halswand, durch die eine Trachealkanüle direkt in die Luftröhre (Trachea) eingeführt wird. Dadurch wird der normale Atemweg über Nase und Mund umgangen.
Es gibt zwei Wege, wie ein Tracheostoma angelegt wird:
- Chirurgische Tracheotomie: Ein Eingriff im Operationssaal unter Vollnarkose — dauerhaft und stabil
- Perkutane Dilatationstracheotomie: Ein minimalinvasiver Eingriff, häufig auf der Intensivstation
Beide Methoden führen zum gleichen Ergebnis: einem sicheren, dauerhaften Atemwegszugang für die maschinelle Beatmung.
Die Trachealkanüle — was steckt da eigentlich drin?
Die Trachealkanüle ist das Herzstück des Tracheostomas. Sie hält die Öffnung offen und verbindet das Beatmungsgerät mit den Atemwegen. Es gibt verschiedene Typen:
Mit oder ohne Cuff
Viele Kanülen haben einen aufblasbaren Cuff — eine Art kleiner Ballon, der die Kanüle in der Luftröhre abdichtet. Dadurch gelangt die Beatmungsluft sicher in die Lunge und es wird verhindert, dass Speichel oder Sekret in die tiefen Atemwege gelangt.
Kanülen ohne Cuff kommen zum Einsatz, wenn der Patient zunehmend selbst atmen kann und das Schluckvermögen gut ist.
Mit oder ohne Innenkanüle
Viele Kanülen haben eine herausnehmbare Innenkanüle. Diese kann regelmäßig entnommen, gereinigt und wieder eingesetzt werden — ohne die äußere Kanüle wechseln zu müssen. Das erleichtert die Hygiene erheblich.
Sprechkanülen
Spezielle Trachealkanülen mit Sprechventil oder Fensterung ermöglichen es dem Patienten, zu sprechen — mehr dazu in einem eigenen Beitrag.
Tracheostomapflege im Alltag — was muss getan werden?
Die Pflege des Tracheostomas ist eine der wichtigsten regelmäßigen Aufgaben. Ziel ist es, Infektionen zu verhindern, die Kanüle durchgängig zu halten und die Haut rund um das Stoma zu schützen.
Tägliche Pflege der Stomaumgebung
- Die Haut rund um das Stoma täglich auf Rötungen, Reizungen oder Sekretablagerungen prüfen
- Mit einem feuchten, sterilen Tupfer vorsichtig reinigen — von innen nach außen
- Eine spezielle Tracheostoma-Schlitzkompress unterlegen, um Druck und Feuchtigkeit abzupuffern
- Das Haltesystem (Kanülenhalter oder -band) auf festen, aber nicht zu engen Sitz prüfen
Reinigung der Innenkanüle
- Innenkanüle mehrmals täglich entnehmen und unter fließendem Wasser oder mit speziellen Reinigungsbürsten säubern
- Je nach Sekretmenge und Anweisung des Pflegeteams auch häufiger
- Einweg-Innenkanülen werden nach Gebrauch entsorgt — kein Reinigen notwendig
Der Kanülenwechsel
Die Trachealkanüle wird in regelmäßigen Abständen gewechselt — je nach Hersteller und Kanülentyp alle 4 bis 8 Wochen. Der Wechsel wird vom Pflegeteam oder einem Arzt durchgeführt. Angehörige müssen das in der Regel nicht selbst tun, sollten aber wissen, was dabei passiert.
Was Angehörige täglich beobachten sollten
Wer einen Angehörigen mit Tracheostoma zu Hause betreut, sollte täglich auf folgende Zeichen achten:
- Sekret: Farbe, Menge, Konsistenz — gelbliches oder grünliches Sekret kann auf eine Infektion hinweisen
- Haut: Rötungen, Schwellungen oder nässende Stellen rund um das Stoma sofort dem Pflegeteam melden
- Atemgeräusche: Pfeifende oder rasselnde Geräusche können auf Sekretansammlungen hinweisen
- Kanülenlag: Sitzt die Kanüle noch korrekt? Ist sie verdreht oder zu locker?
- Allgemeinzustand: Ungewöhnliche Unruhe, Fieber oder Atemnot immer ernst nehmen
Häufige Sorgen von Angehörigen
„Was passiert, wenn die Kanüle herausfällt?“
Ruhe bewahren. Das Stoma bleibt einige Zeit offen. Sofort das Pflegeteam oder den Notarzt rufen. Wenn eine Reservekanüle im Haus ist und das Pflegeteam eine Einweisung gegeben hat, kann diese eingesetzt werden.
„Darf mein Angehöriger duschen?“
Ja — mit dem richtigen Schutz. Es gibt spezielle Duschschutzabdeckungen für Tracheostomata. Wasser darf auf keinen Fall in die Kanüle gelangen.
„Kann ich meinen Angehörigen noch umarmen?“
Selbstverständlich. Körperliche Nähe ist wichtig — achten Sie nur darauf, die Kanüle nicht zu verbiegen oder die Schläuche des Beatmungsgeräts zu knicken.
Das Tracheostoma ist kein Hindernis — es ist ein Weg
Für viele beatmete Menschen ist das Tracheostoma die Voraussetzung dafür, überhaupt zu Hause leben zu können. Mit der richtigen Pflege, einem gut geschulten Pflegeteam und informierten Angehörigen kann das Tracheostoma sicher und komplikationsarm in den Alltag integriert werden.
Je vertrauter Angehörige mit dem Thema werden, desto sicherer fühlen sich alle Beteiligten — und desto mehr Normalität ist möglich.
Haben Sie Fragen zur Tracheostomapflege oder zum Alltag mit Beatmung? Wir sind für Sie da.